Festtags-Archiv | Konferenzberichte


Festtags-Archiv

13. Fasch-Festtage 2015
12. Fasch-Festtage 2013
11. Fasch-Festtage 2011
10. Fasch-Festtage 2008


13. Fasch-Festtage 2015

Impressionen in der Stadthalle Am 327. Geburtstag von Johann Friedrich Fasch wurde das Publikum von Herrn Stephan Dorgerloh, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt und Schirmherr der Veranstaltung, Herrn Andreas Dittmann, Bürgermeister der Stadt Zerbst/Anhalt und Herrn Bert Siegmund, Präsident der IFG, begrüßt. In diesem Rahmen wurde Herrn Prof. Ludger Rémy der Fasch-Preis der Stadt Zerbst/Anhalt verliehen. Der bekannte Cembalist und Leiter des Orchesters „Les Amis de Philippe“ gastierte zuletzt anlässlich der 12. Internationalen Fasch-Festtage 2013 in Zerbst. Er bedankte sich für die wunderbare Laudatio von Herrn Prof. em. Dr. Manfred Fechner (Jena) und ist bis heute sehr gerührt über den Preis und diese Ehrung.

„Bachs Erben – Jugendbarockorchester Michaelstein“ wartete dann mit Orchesterwerken von Fasch und Zeitgenossen auf. Es war deutlich zu spüren, dass die Kompositionen „unseres“ Hofkapellmeisters die jungen Musiker begeisterte. Die Zerstörung der Stadt Zerbst jährte sich am 16. April 2015 zum 70. Mal. Aus diesem Anlass war ein Gedenkkonzert in das Festtage-Programm eingebunden, in welchem eine neuzeitliche Erstaufführung von Faschs Johannespassion zu hören war. Das großangelegte Werk ist Teil der „Zerbster Musik-Stube“, einer im Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau, überlieferten, nach der Zerstörung des Zerbster Schlosses 1945 ausgelagerten Musiksammlung. Das von Herrn Dr. Gottfried Gille (Fasch-Preisträger 2013) edierte Werk wurde vom Universitätschor „Johann Friedrich Reichardt“ der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Händelfestspielorchester Halle unter der Leitung von UMD Jens Lorenz in der Zerbster St. Trinitatiskirche präsentiert. Dieses Gedenkkonzert war zeitgleich bei mdr FIGARO zu hören. Im Vorfeld sprachen Bürgermeister Andreas Dittmann und Pfarrer Thomas Meyer einige Worte und gedachten der Opfer der sinnlosen Zerstörung der Stadt Zerbst.

Wie bereits bei den vorhergehenden Festtagen wurde auch dieses Mal die jüngere Generation gesondert angesprochen. Am Vormittag des 16. April brachten Vertreter der Internationalen Fasch-Gesellschaft Zerbster Grundschulkindern das Leben und Werk von Johann Friedrich Fasch in der Zerbster Stadthalle näher. Es waren sowohl Grund- und Sekundarschüler als auch Gymnasiasten der Zerbster Schulen in diese Veranstaltungen eingebunden. Die Schüler zeigten auf abwechslungsreiche Weise mit einer Theateraufführung, Musik und Tanz, dass Kompositionen des Zerbster Hofkapellmeisters alles andere als langweilig und verstaubt sind. Die Tanzgruppe „O' Blue“ und Schüler der Musikschule „Johann Friedrich Fasch“ machten diese Veranstaltung unvergesslich (siehe Bild/alle privat), und auch ein Kammermusikensemble von „Bachs Erben“ wirkte mit.

Am Morgen des 17. Aprils begann die internationale wissenschaftliche Konferenz, zu der sich Wissenschaftler aus aller Welt einfanden. Thematischer Schwerpunkt war der Anhalt-Zerbster Hof und die Frage, ob dieser berechtigt ist, zur Zeit J. F. Faschs die Bezeichnung „Musenhof“ zu tragen. Als Musenhof bezeichnet man den Hof eines Herrschers, der sich mit vielen bedeutenden Künstlern umgab. Gerade im Zeitalter des Barock galt die vielseitige künstlerische Ausrichtung eines Hofes als Hauptelement der Zur-Schau-Stellung von Macht. Die überaus interessanten und vielschichtigen wissenschaflichen Ergebnisse können Sie im Konferenzband nachlesen.

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12. Fasch-Festtage 2013

der Dresdner Kreuzchor in der Kirche St. Trinitatis Die Internationalen Fasch-Festtage sind fester Bestandteil des Kulturentwicklungskonzeptes der Stadt Zerbst/Anhalt und darüber hinaus des Landkreises Anhalt-Bitterfeld und angrenzender Regionen. Sie werden kontinuierlich thematisch weiter ausgestaltet, gewinnen zunehmend an Attraktivität und stellen einen Höhepunkt in der Musikpflege mitteldeutscher Barockkomponisten dar. Sie ziehen nicht nur Liebhaber und Interessierte aus Deutschland nach Zerbst. Die Beziehungen des Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch (1688–1758) und seine Verbindungen zum kursächsischen Hof Dresden und dessen Kapelle standen im Mittelpunkt der Konzerte und der wissenschaftlichen Konferenz der 12. Internationalen Fasch-Festtage 2013.

Klicken Sie hier für eine Übersicht des Programms.

Die konzeptionelle Grundidee, inhaltliche Verzahnung von Konzerten, Präsentation von Ergebnissen der Fasch- Forschung und Einbindung regionaler Bezüge wurden erfolgreich verwirklicht. Es brachten renommierte Ensembles des In- und Auslandes, wie z.B. Les Amis de Philippe und NeoBarock bzw. der Universitätschor "Johann Friedrich Reichardt" Halle/Saale und Ars Antiqua Austria barocke Musik zu Gehör. Darunter befanden sich auch einige für die heutige Aufführungspraxis neu bearbeitete Werke, deren Notenquellen in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden überliefert sind und von Prof. Dr. Manfred Fechner (Jena) ediert wurden. Diese Erstaufführungen begeisterten das Publikum in besonderer Weise.

Die Verbindung zu Dresden spiegelte sich ebenfalls deutlich im Konzert des Dresdner Kreuzchores wider (siehe Bild), das einen besonderen musikalischen Höhepunkt der Festtage darstellte. Aber auch regional verwurzelte Ensembles waren in das Festtagsprogramm miteinbezogen worden, wie z. B. die Zerbster Kantorei, die eine Kantate des Hofkapellmeisters, die in Berlin überliefert ist, erstmals aufführte (ediert vom Präsidenten der Internationalen Fasch-Gesellschaft, Bert Siegmund).

Fasch-Preisträger 2013 ist Herr Dr. Gottfried Gille, Bad Langensalza, herzlichen Glückwunsch.

Musikwissenschaftler aus Kanada, Großbritannien, den USA und Deutschland gaben in Beiträgen zur wissenschaftlichen Konferenz vertiefende Einblicke in Faschs Beziehungen zum Dresdener Hof und präsentierten neuste Forschungsergebnisse. Diese werden voraussichtlich als Band 12 der Fasch-Studien im ortus musikverlag erscheinen.

Als Spielstätten konnten sowohl die barocke Zerbster Stadthalle, die Kirchen St. Trinitatis und St. Bartholomäi und die Aula des Francisceum-Gymnasiums in Zerbst, als auch die Schlösser in Wendgräben und Leitzkau und die barocke Kirche in Burgkemnitz genutzt werden. Damit strahlte das Musikfest über die Grenzen der Stadt hinaus.

Auch zu den diesjährigen Fasch-Festtagen gab es spezielle Angebote für Kinder der Grundschulen, der Sekundarschule und des Gymnasiums. Dabei spielten Kinder für Kinder, speziell Schüler der Zerbster Musikschulen, sowie Mitglieder des Jugendbarockorchesters Michaelstein "Bachs Erben", und es wirkte auch eine Kindertanzgruppe O’Blue mit. Ziel war es, die Musik Faschs vorzustellen und Wissen über Leben und Wirken des Hofkapellmeisters zu vertiefen.

Eine Nachhaltigkeit der Fasch-Festtage wurde durch Mitschnitte von Konzerten und Liveübertragungen des Mitteldeutschen Rundfunks und zahlreiche Publikationen in der Regional- und Fachpresse erwirkt. Die Enhüllung des J. F. Fasch-Gedenksteins auf der Neuen Brücke in Zerbst ist in dieser Hinsicht von besonderer Bedeutung. Das Rahmenprogramm ergänzten inhaltlich auf die Fasch-Festtage abgestimmte allgemeine kulturelle Angebote, inklusive Stadtführung, Museumsbesuch mit Sonderausstellung, Fasch-Ausstellung in der Kirche, regionale Spezialitäten alter anhaltischer Küche u.a.m. Insgesamt hinterließ das Barockfest bleibende Eindrücke, und 2287 Besucher zeugen von seiner zunehmender Anerkennung und Attraktivität.

Die Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Zerbst/Anhalt, den Landkreis Anhalt-Bitterfeld, die Sparkassenstiftung, die Mitteldeutsche Barockmusik und weitere Sponsoren ermöglichte ein ausgeglichenes und begeisterndes Musikerlebnis. Allen Helfern und Unterstützern gilt besonderer Dank.

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11. Fasch-Festtage 2011

Collegium  Marianum, Prag Die 11. Internationalen Fasch-Festtage mit dem Motto "Fasch - Vater und Sohn" fanden vom 7.-17.4.2011 in Zerbst/Anhalt statt.

Wir beschäftigten uns nicht nur mit Johann Friedrich Fasch (1688-1758), dem Kapellmeister von Anhalt-Zerbst, sondern auch besonders mit dem in Zerbst geborenen Carl Friedrich Christian Fasch (1736-1800), dem Begründer der Sing-Akademie zu Berlin.

Klicken Sie hier für eine Übersicht des Programms vom April 2011.

Die Fasch-Preisverleihung fand im Rahmen des Eröffnungskonzerts mit dem Main-Barockorchester Frankfurt statt und wurde vom MDR Figaro live am 7.4.2011 aus der Zerbster Stadthalle übertragen. Sie können Sie hier anhören: www.mdr.de

Lokale Berichte zu den Fasch-Festtagen finden Sie unter www.volksstimme.de, siehe Lokalausgaben: Zerbst.

Fasch-Preisträger 2011 ist Herr Hans-Heinrich Kriegel, Bochum.

Er wurde für seine über 20jährige Fasch-Pflege als Leiter des Fasch-Collegium Bochum und seine Aktivitäten als Editor von Fasch-Werken geehrt.

Wir gratulieren!

Eine internationale wissenschaftliche Konferenz fand am 8. und 9. April 2011 im Hotel "Von Rephuns Garten" in Zerbst/Anhalt statt.

Es referieren Wissenschaftler aus Deutschland, Grossbritannien, Irland, Australien und Kanada.

Den Konferenzablauf finden Sie hier. Eine Veröffentlichung aller Referate ist für Ende des Jahres im Ortus-Verlag als Bd. 11 der Reihe "Fasch-Studien" geplant.

Einen amüsanten Bericht von Gwyn Roberts, Leiterin des "Tempesta di Mare" Philadelphia Baroque Orchestras, über den Besuch des amerikanischen Ensembles in Zerbst anl. eines Konzerts am 10. April 2011 im Rahmen der 11. Fasch-Festtage können Sie hier lesen (auf Englisch).

Für eine Übersicht der Erstaufführungen von Werken von J. F. und C. F. Chr. Fasch im Rahmen von Internationalen Fasch-Festtagen, klicken Sie bitte hier.

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10. Fasch-Festtage 2008

Vom 10. bis 20. April 2008 veranstalteten die Stadt Zerbst/Anhalt und die Internationale Fasch-Gesellschaft e. V. die zehnte Auflage der Internationalen Fasch-Festtage. Es waren Jubiläumsfesttage, denn in diesem Jahr jähren sich der 250. Todestag und der 320. Geburtstag des hier 36 Jahre am Zerbster Hof anstelligen Kapellmeisters Johann Friedrich Fasch (1688–1758). Seit nunmehr 25 Jahren wird in der ehemaligen Residenzstadt das musikalische Erbe dieses aus Thüringen stammenden Komponisten gehegt und gepflegt. Die Veranstalter der Fasch-Festtage freuten sich über einen Besucherrekord von mehr als 2200 Gästen aus dem In- und Ausland und das große Interesse der Medien. Einen besonderen Höhepunkt bildete dabei auch der "Tag der Mitteldeutsche Barockmusik" vom 19. bis 20. April 2008 in Zerbst/Anhalt, initiiert von der Ständigen Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik, die auch die dreitägige Internationale wissenschaftliche Konferenz vom 10. bis 12. April 2008 und das Eröffnungskonzert großzügig unterstützte. "Musik an der Zerbster Residenz" – so lautete das Thema der Festtage, das sich sowohl in den 13 Veranstaltungen als auch in der Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz widerspiegelte. Dazu kam noch eine Sonderausstellung mit dem selbem Thema, die vom 28. März bis 18. Mai 2008 im Museum der Stadt Zerbst/Anhalt, mit beachtenswerten Originaldokumenten und Exponaten den musikalischen Anfängen Entwicklungen am Zerbster Hof vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Erlöschen der Anhalt-Zerbster Linie 1793 widmete. Am Eröffnungstag der Fasch-Festtage selbst fand eine Vernissage im Foyer der Stadthalle Zerbst/Anhalt mit bemerkenswerter moderner Malerei statt, zu der der Künstler Klaus Fezer von Barockmusik, besonders von Fasch, inspiriert wurde.

Klicken Sie hier für eine Übersicht des Programms.

Im Mittelpunkt der Fasch-Festtage stand natürlich der Komponist und sein Schaffen selbst, denn die Zeit seines Wirkens fiel in die Glanzzeit der Zerbster Residenz. Eröffnet wurde der Festakt am 10. April 2008 im Katharina-Saal der Stadthalle Zerbst/Anhalt mit der Uraufführung der eigens für diese Jubiläumsfesttage komponierten Bläserfanfare von Steffen Schleiermacher (Leipzig) über den Namen F-A-S-C-H, aufgeführt vom Bläserkreis der Evangelischen Landeskirche Anhalts unter der Leitung des Komponisten.

In der darauf folgenden Festansprache des Kultusministers und Schirmherrn der 10. Internationalen Fasch-Festtage, Prof. Dr. Jan-Henrik Olbertz, würdigte dieser das große Engagement der Stadt Zerbst/Anhalt, das diese in Zusammenarbeit mit der Internationalen Fasch-Gesellschaft, der Ständigen Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik und weiteren Partnern gezeigt hat, um ein so qualitätsreiches Rundumprogramm auf die Beine zu stellen, das einen neuen Anspruch der Fasch-Festtage in der Region Sachsen-Anhalt deutlich mache.

Das anschließende Eröffnungskonzert mit dem Händelfestspielorchester Halle unter Leitung des Soloviolinisten Bernhard Forck und live vom MDR Figaro übertragen, überraschte die Besucher u. a. mit der als verschollen geglaubten Serenata "Beglückter Tag", einer Huldigungsmusik von 1757 von Fasch auf den Geburtstag der ehemaligen Zerbster Prinzessin Sophie Auguste Friederike und späteren Katharina II., Zarin von Russland. Das erst kürzlich wiederentdeckte Werk befindet sich im Archiv der Sing-Akademie zu Berlin und wurde eigens mit besonderer Erlaubnis der Sing-Akademie vom Fasch-Preisträger Brian Clark für diese Festtage aufführungspraktisch eingerichtet. Das mit exzellenten Naturhornbläsern des Händelfestspielorchesters besetzte "Jagdkonzert" J. F. Faschs, ein faszinierendes Zeugnis früher Programmmusik und seit diesen Fasch-Festtagen ein begehrtes Werk überregionaler Orchester, überzeugte nicht nur spieltechnisch. Zwei weitere sehr schöne Erstaufführungen – die Serenata "Die ihr das Glück genießet" von 1759 auf den Geburtstag der Fürstin Caroline Wilhelmine Sophie und eine Sinfonie des Komponisten Johann Wilhelm Hertel, Schüler des Zerbster Konzertmeisters Carl Höckh – rundeten den Eröffnungsabend glanzvoll ab. Nach dem Konzert hatte der Bürgermeister zu einem Empfang im schön geschmückten Ratssaal eingeladen. Der Weg dorthin war wunderbar märchenhaft mit Fackeln erleuchtet. Musikalisch erwartete die Gäste das Mitteldeutsche Salonorchester Halle unter Leitung von Matthias Erben, und gastronomisch wurde man mit allerlei Gaumenfreuden durch das Team des Sporthotels Wallwitz verwöhnt. So konnten Musiker und Gäste sich an den Stehtischen näher kommen.

Das Konzert am 11. April 2008 in der Marienkirche in Dessau-Roßlau mit dem Ensemble Les Amis de Philippe unter der Leitung des Cembalisten Ludger Rémy wartete gleich mit sechs Erstaufführungen des Zerbster Hofkapellmeisters auf (nach den überlieferten Quellen aus der Sächsischen Landes–, Staats– und Universitätsbibliothek Dresden von Prof. Manfred Fechner aufführungspraktisch aufbereitet). Die Musiker spielten auf historischen Instrumenten mit spürbarer Spielfreude und wunderbar abgestimmten Tempi, mit viel Virtuosität, Natürlichkeit und Herzenswärme diesen Fasch fast überirdisch schön. Dieses Konzert ist soeben auf CD erschienen.

Mit dem Konzert im Schloss Wendgräben am 12. April 2008 erfüllte sich mancher geheime Wunsch der Fasch-Fans, den italienischen Fagottisten Sergio Azzolini noch einmal live wie in den Konzerten von 2003 zu erleben. Im Trio mit dem Lautenisten Joachim Held und der Flötistin Myriam Eichberger und einem Programm mit Sonaten mitteldeutscher Barockmusiker überzeugten alle drei mit viel Gefühl, Eleganz, Virtuosität und Ausdruckskraft. Doch Höhepunkt war unzweifelhaft das furiose Spiel Sergio Azzolinis, der alle Facetten seines Fagotts mit ganzem Körpereinsatz und unvergesslicher Mimik und Gestik präsentierte. Besonders die kleinen Sprünge amüsierten das Publikum.

Ein Highlight innerhalb der Fasch-Festtage war am 12. April 2008 um 21.00 Uhr wiederum die Fasch-Midnight, Baroque meets Pop, in der liebevoll ausgestatteten und gastronomisch wohl durchdachten Schlossruine, mit dem Vokalquartett Maybebop. Zu hören war alles vom Volkslied, über Ohrwürmer der Popmusik bis zu Techno-Klängen, alles mit selbst gedichteten Texten, begleitet von choreographischen Akzenten, einfach exzellent dargeboten. Vor allem die Reinheit der vier Gesangsstimmen überzeugte und begeisterte das Publikum. Zu Beginn spielte das Mitteldeutsche Salonorchester Halle, das nach dem Konzert in den Weinstuben des Schlosses den Abend angenehm abrundete.

Der Fasch-Preis der Stadt Zerbst/Anhalt, überreicht vom Bürgermeister Helmut Behrendt, ging diesmal wieder an einen Musiker und überzeugenden Botschafter dieser Musik, den israelischen Cembalisten Shalev Ad-El, für seine hervorragenden Interpretationen und sein großes Engagement für die Wiederaufführung bisher unbekannter Werke von Fasch. Im Festkonzert im Fasch-Saal stellte Shalev Ad-El sein Können unter Beweis, und zusammen mit dem belgischen Ensemble Il Gardellino erklangen, brillant gespielt und interpretiert, meist noch unbekannte Concerti von Fasch. Diese Werke werden demnächst auf CD erscheinen.

Mit einem Gedenkkonzert in der vollbesetzten St. Trinitatiskirche gedachte die Stadt Zerbst/Anhalt am 16. April 2008 des 63. Jahrestages der Zerstörung von Zerbst. Dazu eingeladen worden waren das ungarische Capella Savaria Baroque Orchestra und der Chor der Schola Cantorum Budapestiensis unter der Leitung von Mary Térey-Smith (USA), die sehr dezent und einfühlsam Faschs einzige erhaltene Passion "Mich vom Stricke meiner Sünden" (nach dem Text von H. B. Brockes) aufführten.

Mit virtuoser Kammermusik und verschiedenen Chalumeaux (schalmeiähnliches Instrument) überzeugten die Musiker der Chursächsischen Capelle Leipzig um die Geigerin Anne Schumann am 18. April 2008 in der Aula des Francisceums der Stadt Zerbst/Anhalt mit Virtuosität. Neben Kompositionen von Fasch, u. a. dem berühmten Chalumeau-Konzert, gab es Erstaufführungen von Carl Höckh und Johann Georg Röllig, Faschs Nachfolger im Amte des Hofkapellmeisters.

Zum 13. Mal fand der Tag der Mitteldeutschen Barockmusik statt, diesmal in der ehemaligen Residenzstadt Zerbst vom 19. bis 20. April 2008, ausgerichtet von der Ständigen Konferenz Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. "Mit Pauken und Trompeten" zu Ehren Johann Friedrich Faschs erklangen vom Schweizer kammerorchesterbasel neben Erstaufführungen Faschs auch dessen legendäres Trompetenkonzert, br avourös und virtuos interpretiert von dem jungen Trompeter Giuliano Sommerhalder. Aber auch die Soloviolinistin und Leiterin des Ensembles Julia Schröder brillierte im Konzert für Solovioline von Fasch ungemein gestenintensiv und traumhaft virtuos.

Unter der bewährten Leitung von Kreiskirchenmusikwart Tobias Eger gehört der Festgottesdienst zu Ehren Faschs mit der Zerbster Kantorei und dem Johann Friedrich Fasch-Ensemble Halle, vom MDR live übertragen, seit Jahren zum festen Bestandteil der Fasch-Festtage und brachte auch diesmal zwei Erstaufführungen des Zerbster Meisters. Nach über 270 Jahren erklang die Kantate "Gelobet sey der Herr täglich" und zwei Sätze einer Ouverturensuite, eingerichtet von Studierenden des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Leipzig unter Anleitung von Uta Wald.

Einen musikalischen Höhepunkt und gelungenen Abschluss der 10. Internationalen Fasch-Festtage 2008 bildete natürlich das Konzert mit dem Thomanerchor Leipzig unter der Leitung des Thomaskantors Prof. Georg Christoph Biller, begleitet vom Johann Friedrich Fasch-Ensemble Halle und vom MDR Figaro zeitversetzt gesendet. Bereits im Vorfeld der Festtage war das Konzert restlos ausverkauft. Der weltberühmte Chor begeisterte mit seinem Gesang und der Interpretation u. a. zwei Erstaufführungen von Psalmvertonungen des Zerbster Hofkapellmeisters Fasch, vor allem dem "Laudate pueri Dominum".

Doch all die schönen musikalischen Erlebnisse dieser Fasch-Festtage wären ohne die entsprechenden wissenschaftlichen Vorleistungen nicht denkbar gewesen. Deshalb fand wiederum als wichtiger Bestandteil der Internationalen Fasch-Festtage in der bewährten Atmosphäre des Hotels "von Rephuns Garten" vom 10. bis 12. April 2008 eine Internationale Wissenschaftliche Konferenz statt, von der Stadt Zerbst wieder bestens technisch vorbereitet. 19 Referenten aus den USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland trafen sich, um zum Thema "Musik an der Zerbster Residenz" zu referieren. Da das Wirken J. F. Faschs als Kapellmeister an der Zerbster Residenz in den Jahren 1722 bis 1758 weitestgehend mit einer Blütezeit des Anhalt-Zerbster Fürstenhauses zusammenfällt, war es faszinierend, Einblicke in die musikalischen Entwicklungen, die dieser Blütezeit vorausgingen, zu bekommen, Musikerpersönlichkeiten und ihr Schaffen vor Faschs Amtsantritt, aber auch seine Nachfolger als Persönlichkeiten kennen zu lernen. Da wurde über die Musikpflege der Anhaltiner Fürsten im Allgemeinen, neuentdeckte Tabulaturbücher als Quellen zur Zerbster Musikpflege um 1670 von dem Hofmusiker und Organisten Bernhard Meyer und die Kantorei und die Kurrende in Zerbst Auskunft gegeben. Eine eindrucksvolle Bildshow zur Innenausstattung der Zerbster Residenz war zu bewundern, man erfuhr Neues über die Musikpflege an den Residenzen in Kassel, Oettingen, Ansbach und Bayreuth zur Zeit von Fasch, auch über das Leben und Schaffen der Musiker Johann Ulich, Carl Höckh und Johann Georg Röllig, aber auch über die Hofmusik der Nachbarresidenz Köthen, über unbekannte Primärquellen zum Musikleben am Anhalt-Zerbster Hof im 18. Jahrhundert, über die Serenaten für den Anhalt-Zerbster Hof in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, zur Beziehung zwischen Fasch und Zelenka oder dem wieder aufgefundenen Kantatenjahrgang "Das in Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung Bestehende Opffer". Interessant waren aber auch die Vorträge über die Fürstin Caroline Wilhelmine Sophie oder die musikalischen Beziehungen zwischen Zerbst und der Nord- und Ostseeküstenregion anhand der vertretenen Komponisten in dem 1743 aufgestellten Inventarverzeichnis der "Concert-Stube".

Auch die Neuentdeckung einer Trio-Sonate Faschs aus dem wieder aufgefundenen Archiv der Sing-Akademie zu Berlin, die zudem noch als Hörbeispiel vorgestellt wurde, bereicherte diese sehr gelungene Konferenz.

Die musikalische Einleitung am ersten Konferenztag, wurde – wie schon in den Vorjahren – von Studierenden der Fachrichtung Alte Musik an der Musikhochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig übernommen.

Die Zusammenarbeit mit den Studenten hat sich auch in diesem Jahr bestens bewährt, und das Ergebnis war hörenswert. Es erklangen Werke aus der Zerbster "Concert-Stube" von Johann Cristoph Pepusch, Johann Baptist Kuch und natürlich Johann Friedrich Fasch. Aus Sicht der IFG waren die 10. Internationalen Fasch-Festtage 2008 ein Glanzpunkt der Pflege des musikalischen Erbes des Hofkapellmeisters J. F. Fasch und wiederum ein Beweis, dass sich die intensive Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt Zerbst/Anhalt und der unermüdliche Kampf um ihre Fortführung im Vorfeld doch gelohnt hat.

Ein großer Dank sei an dieser Stelle deshalb auch den vielen Sponsoren gesagt, die dazu beitrugen, dass dieses Fest stattfinden konnte. Aber auch die ganz individuelle Betreuung der Ensembles, der Wissenschaftler und auswärtigen wie einheimischen Gäste durch die Mitglieder der IFG sowie die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadt Zerbst versteht sich mittlerweile als Markenzeichen.

Damit heben sich die Fasch-Festtage, wie die Besucher immer wieder bestätigen, positiv von manch anderem Festival ab.

Nicht nur auswärtige Besucher aus Deutschland, sondern auch aus den USA, Schweden, Dänemark, Ungarn und Großbritannien lobten die persönliche Zuwendung. Es trug sehr zur überregionalen medialen Ausstrahlung der Festtage bei, dass auch in diesem Jahr der MDR für eine Live-Übertragung des Eröffnungskonzerts und des Festgottesdienstes sowie der zeitversetzten Sendung des schönen Abschlusskonzertes mit dem Leipziger Thomanerchor gewonnen werden konnte .

Die auch in diesem Jahr wieder von Frau Steffi Heger (Atelier Tangram) professionell gestalteten beiden Flyer, verschiedene Plakate und die Programmschrift präsentierten wiederholt das optische Erscheinungsbild der Festtage und machten neugierig auf den Inhalt. An dieser Stelle sei auch der Zerbster Volksstimme, Frau Antje Rohm und ihrem Mann Helmut Rohm, sowie Herrn Gerhard Block vom Generalanzeiger großer Dank ausgesprochen für ihre professionelle Unterstützung im Vorfeld sowie in der Berichterstattung.



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Faschiana
Die neueste Ausgabe unseres 16-seitigen Newsletters erschien am 28. Juli 2016. Viel Spass bei der Lektüre!
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